Elternwochenende 2010 in Cuxhaven
Hoch oben im Norden, zwischen glücklichen Kühen auf salzigen Wiesen und windigen Rädern auf grünen Dünen in der bekömmlichen frischen Luft an der nördlichen See liegt das kleine Dorf Berensch, ein Ortsteil von Cuxhaven in Niedersachsen.
Wie jedes Jahr in dem wir bisher teilnehmen durften ist die Location für das Familienseminar unseres Vereins wieder toll ausgewählt.
Wir und die immerhin 31 aus den verschiedensten Ecken Deutschlands angereisten anderen Familien waren gut untergebracht auf dem großzügig und liebevoll angelegten Gelände des Dünenhof- Ferienhotels. Zahlreiche Zimmer, aufgeteilt auf verschiedene Häuschen, boten reichlich Platz für alle, ohne dass man den Eindruck hatte sich aufgrund der vielen Menschen gegenseitig in den Füßen zu stehen. Insbesondere die überall verteilten Plauder-Möglichkeiten in Form von bequemen Sitzecken und Bänken boten den nötigen Raum für einen von vielen wichtigen Aspekten der Veranstaltung, dem Austausch untereinander.
Für die Kinder und Jugendlichen gab es zahlreiche Möglichkeiten der Beschäftigungen direkt vor Ort. Schwimmbad, Kegeln, Billard, Tischkicker, Turnhalle, Minigolf und Spielplatz ließen keinen Raum für Langeweile - sehr zur Freude der "redseligen" Eltern.
Dazu kam natürlich noch die gut orga-nisierte Kinderbetreuung mit ihren altershomog-enen Gruppen, die zahlreiche kreative Angebote und sportliche Aktivitäten auf die Beine stellte, weiteres attraktives Spielmaterial in der Hinterhand hatte und auch sonst immer als Unterstützung mit von der Partie war.
Zum Glück der bewegungsfreudigen Kleinen war natürlich auch die Hüpfburg wieder im Gepäck.
Mit in diesem Sinne "freiem Rücken", umsorgt von den freundlichen Mitarbeitern des Hauses, gestärkt von der Küche und sogar vom (lecker Grill-) Wetter verwöhnt waren die Voraussetzungen für das anstehende Programm also ideal. So hieß es dann auch für uns nach dem Ankommen, Einchecken, einer Tasse Kaffee und einem kurzen Blick auf die schon bewährte Pinnwand mit den Steckbriefen der anderen Familien rein in den Austausch mit den schon bekannten und neuen Gesichtern.
Die diesjährigen Programmpunkte waren wieder ganz unterschiedlicher Natur.
Ein Angebot für die ganze Familie waren die geführten Wattwanderungen. In altersgerecht aufgeteilten Gruppen ging es auf eine spannende Suche nach Krabbe und Wattwurm. Es war zwar recht frisch aber das mit allen Sinnen Erlebte hat das Frösteln (vor allem an den Füßen) schnell vergessen lassen.
Neue Anregungen konnten sich besonders die Eltern auf der Ausstellung der Hilfsmittel und für unsere sehbehinderten oder blinden Kinder adaptierten Spiele und Bücher holen, oft auch gleich mit einem qualifizierten Erfahrungsaustausch über die Tauglichkeit der jeweiligen Objekte.
Ein weiterer Themenschwerpunkt der Seminartage war die Frage nach den Entwicklungsbesonderheiten blindgeborener Kinder. Zur Bearbeitung dieses Themas stand der Film von Herrn Prof. Dr. Brambring zur Verfügung. Herr Brambring konnte diesmal glücklicherweise auch persönlich als Referent anwesend sein und sprach insbesondere über gerade für blinde Kinder geeignete optimale Erziehungsbedingungen und daraus resultierende Erschwernisse, referierte über die Frage nach Verhaltensauffälligkeiten bzw. Entwicklungsabweichungen die leicht zu Verunsicherungen bei den Eltern führen und stand für eine anschließende Diskussion zur Verfügung.
"Selbst erfahren" konnten Mutige die Landschaft der Umgebung auf den zur Verfügung stehenden Tandems und sich Dank Augenbinde in aller Ruhe "umhören" und "umriechen". Für diejenigen, die weniger über Stock und Stein radeln sondern lieber mit Stock über die Steine laufen standen ebenso Augenbinden und Blindenstöcke zur Verfügung, so dass jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit dem Erfahren unserer Kinder näher kommen konnte.
Neben der obligatorischen Mitgliederversammlung strukturierten viele weitere Möglichkeiten der Aktivität (z.B. Nachtwanderung, verschiedene Sportmöglichkeiten) gerade auch für die Kinder und Jugendlichen die kurzweiligen Tage.
Für uns gibt es viele Gründe, das Seminar zu besuchen, natürlich ist der persönliche Austausch für uns wichtig, der im Alltag oft in dieser Form nicht möglich ist. Der Austausch über die Entwicklung der Kinder, der Austausch über Probleme und deren Lösung usw. Ein Austausch in einem Umfeld in dem man nicht " so wie sonst " "besonders" ist, sondern von den Erfahrungen eines Gegenüber profitiert, dass ähnliche Fragestellungen bearbeitet.
Darüber hinaus nehmen wir immer wieder viele neue Anregungen über Lern- und Spielmöglichkeiten für unsere Tochter mit und sind über die professionellen Fortbildungen der Referenten sehr dankbar, da sie uns neue Aspekte und Blickwinkel aufzeigen was letztlich dazu beiträgt, das wir als Eltern das Entwicklungsumfeld unseres Kindes hoffentlich so verbessern können, dass es trotz oder gerade wegen seiner Beeinträchtigung zu einem mündigen und gestärkten Menschen heranwachsen kann und nicht zu sehr von seinem Umfeld "behindert" wird.
Wir freuen uns auf 2011
H.J. Kremer