Mitgliedertreffen 2006 im Cyriakusheim in Gernrode      

Eine Nachlese zum Treffen

Die Ankunft
Wie jedes Jahr begann das Elternwochenende am Donnerstag Nachmittag. Nach und nach trudelten die Mitgliederfamilien ein. In akribischer Kleinarbeit hatte ich vorher die Zimmerbelegung erstellt und dann kam doch alles ein wenig anders. Spontan mussten mehrere Zimmer wild hin und her getauscht, Betten verschoben und Pläne geändert werden. Aber irgendwann hatte jeder sein Plätzchen gefunden und erste Kontakte konnten aufgenommen werden. Ganz anders als in den letzten Jahren waren diesmal die „alten Hasen“ in der Minderheit. Dafür waren viele neue Familien zum ersten Mal dabei. Gleichwohl gab es ein riesen Hallo bei den alten Bekannten und auch eine herzliche Begrüßung bei den Neuen. Abends wurde eine Vorstellungsrunde veranstaltet, die sofort zeigte, dass es ein spannendes aufregendes Wochenende werden würde mit vielen netten und doch sehr unterschiedlichen Leuten.

Das Haus
Das Cyriakusheim ist eine Jugendbegegnungsstätte und daher vom Komfort relativ einfach. Das Haus war ziemlich verwinkelt und auf mehrere  Ebenen eingeteilt. Als das Haus vom Vorstand im Februar besichtigt wurde, waren wir schon ein wenig skeptisch, ob die blinden und sehbehinderten Kinder damit zu Recht kommen würden. Unsere Befürchtungen wurden aber nicht bestätigt, im Gegenteil. Irgendwie fanden die Kinder dann doch ihre Wege. Darüber hinaus war das Außengelände wunderschön und bot genügend Platz, um sich auch mal ungestört in einer Ecke nieder zu lassen. Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit, so dass dieses Gelände eigentlich nur am Samstag und Sonntag so richtig genutzt werden konnte – an diesem Tag dafür umso intensiver.
 
Der Fachvortrag von Herrn Röder
von der Blista

Herr Röder hatte bereits am Abend zuvor an der Vorstellungsrunde teilgenommen, da er die Eltern und die Kinder ein wenig kennen lernen wollte. Sein Vortrag handelte von „der motorischen Entwicklung zur nonverbalen Kommunikation blinder und sehbehinderter Kinder. Sein Vortrag teilte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil auf. Herr Röder zeigte zunächst auf, welche Bewegungseinschränkungen blinde und sehbehinderte Kinder haben und welche Art der Bewegungsförderung Eltern oder auch Therapeuten vornehmen können. Danach berichtete er über die Besonderheiten in der Bewegung blinder Kinder. Hier wurde auch das Thema „Blindismen“ erörtert. Herr Röder machte sehr eindrucksvoll deutlich, dass seine Erfahrungen als Psychologe im Umgang mit blinden Kindern an der Blista zeigen, dass es kaum Aussichten auf die Abstellung der Blindismen gäbe, sondern dass diese als Ventil benutzt würden und daher auch in den seltensten Fällen unterdrückt werden könnten. Dies war eine der wichtigsten Aussagen in dem Vortrag für mich persönlich. Hatte ich doch insgeheim gehofft, ein „Geheimrezept“ für den Kampf gegen Tims Blindismen zu bekommen. Der dritte Teil des Vortrages handelte von den Möglichkeiten und Missverständnisse in der nonverbalen Kommunikation sehbehinderter und blinder Jugendlicher. Hier mussten wir selber tätig werden. Wir wurden in mehrere Gruppen von jeweils vier Personen eingeteilt. Einer aus der Gruppe sollte den „Blinden“ spielen. Die anderen drei hatten die Aufgabe ihm eine Geste zu vermitteln. Dabei sollte man in drei Schritten vorgehen. Zunächst sollte man ihm die Geste beschreiben ohne zu sagen wofür man diese benutzt. Dann sollte man die Geste dem „Blinden“ vormachen und sich dabei abtasten lassen. Und schließlich sollte man bei der Ausführung der Geste den Blinden führen. Danach kamen wir wieder zusammen und die „Blinden“ sollten nun die erlernte Geste vormachen und auch noch beschreiben, um welche Geste es sich handelte. Es war beeindruckend zu sehen, wie schwierig, das Vermitteln einer Geste war.
 
Fachvortrag von Herrn Völker
Der Vortrag handelte von der „Körperwahrnehmung bei Sinnesstörungen und ihre Bedeutung beim Lernen und Verhalten“. In diesem Vortrag wurde zunächst aufgezeigt, wie Wahrnehmung überhaupt funtioniert und wann die einzelnen Wahrnehmungsstadien in der Kindheit beginnen. Anhand eines Beispiels mit einem wahrnehmungsgestörten Mädchen wurde aufgezeigt, wie mit geeigneten Mitteln einer solchen Störung entgegengewirkt werden kann. An diesem Vortrag schieden sich die Geister der Zuhörer. Einige fanden ihn sehr interessant, andere waren der Ansicht, dass der Referent nicht ausreichend auf die Fragen der Anwesenden eingeging, sondern stur sein Programm abgespult hat.

Programmangebot „Judokurs“
Der Judokurs wurde von zwei sehr erfahrenen Judokas durchgeführt, die uns von Herrn Richter vom DBSV vermittelt worden waren. Für die Kurse wurden die Kinder in drei verschiedene Gruppen geteilt. Während in der ersten Gruppe für die ganz Kleinen eher ein bisschen Turnen auf der Matte geübt wurde, erlernten die Kinder aus der zweiten Gruppe (von 5 – 7 ) bereits erste Judotechniken, wie das richtige Fallen und einfache Wurftechniken. Bei den Großen wurde derart intensiv gearbeitet, dass der Raum danach nur noch als Pumakäfig zu gebrauchen war. Beim den Abschlussvorführungen am Abreisetag waren wir Eltern – glaube ich – mal wieder mächtig beeindruckt, wie toll alle Kinder – egal ob sehend, sehbehindert oder blind – die Zeit genutzt hatten, um erste Erfahrung mit diesem Sport zu machen.

Die Kinderbetreuung
Die diesjährige Kinderbetreuung war `ne Wucht. Jedenfalls fanden das die meisten Kinder und dabei hatte es noch Tage vor der Anreise so ausgesehen, als würde die Betreuung der totale Reinfall. Schließlich war kurzfristig eine Betreuerin ausgefallen und mit nur zweien hätte man die Arbeit sicherlich nicht leisten können. Doch spontan sprang der Freund einer der Betreuerinnen ein und erwies sich im Nachhinein als der totale Glücksfall. Völlig unbedarft – aber auch mit einer gewissen Art von männlicher Coolness (ganz nach dem Motto: Geht nicht gibt’s nicht), schaffte er für die Kinder zusammen mit den eigentlichen Betreuerinnen einen liebevolle und freundschaftliche Atmosphäre. Es wurde gebastelt, gespielt, gesungen und eine Olympiade veranstaltet. Den Kindern hatte es gut gefallen und den Eltern auch.


Der Grenzenlosverlag
Nachmittags stellte der Grenzenlos Verlag seine Bücher in Blindenschrift aus. Es war klasse die Bücher einmal in Ruhe zu inspizieren. Mit dabei auch das „Huhn Alberta“, welches wir in der letzten Lupe vorgestellt haben. Außerdem jede Menge Glückwunschkarten, Kalender u.ä.

Zwischenmenschliches
Anders als letztes Jahr in Remscheid, wo wir jeden Abend stundenlang gemeinsam draußen gesessen hatten, fanden dieses Jahr eher „Kleingruppengespräche“ statt. Dies war für mich auch sehr spannend und anregend. Es wurden viele Tipps ausgetauscht und in gemütlichen Runden über die Stärken und Schwächen der Kinder gesprochen. Für einige Männer kam auch der Fußball nicht zu kurz, schließlich lief gerade die WM und es waren Fernseher vorhanden. Besonders schön gestaltete sich der Samstagabend. In sommerlichem Wetter wurden Unmengen von Fleisch gegrillt und nachdem man sich die Bäuche voll geschlagen hatte, wurde zum abendlichen Volleyballspiel gerufen. Die teilnehmenden Eltern und Kinder gaben ihr Bestes und liefen zur Hochform auf. Ehrgeiz war auch vorhanden und so gab es am Ende auch nur einen knappen Sieger.


 
Fazit
Am Sonntag fand die traditionelle Abschlussrunde statt. Hier konnte noch einmal das Wochenende Revue passieren und Anregung und Kritik vorgebracht werden. Der Grundtenor war eine große Zufriedenheit bei Eltern und Kindern. Der stärkste Kritikpunkt war die in unmittelbarer Nähe befindliche Kirche, die die ganze Nacht hindurch geläutet und einigen Teilnehmern wohl den Schlaf geraubt hatte. Es wurde angeregt, beim nächsten Wochenende für jeden Tag Sportaktivitäten auch für die Eltern vorzusehen, denn das Volleyballspiel hatte gezeigt, dass man mit Sport und Spaß zusätzlich vom Alltag abschalten konnte und die Teilnehmer sich noch näher kamen.


Weitere Reaktionen auf das Wochenende:
Friederike erzählt immer noch von den blinden Kindern. Das hat wirklich
einen großen Eindruck bei ihr hinderlassen. Und auch für uns Erwachsene
war es ein wirklich schönes gelungenes Wochenende.
 
Viele Grüße
Diana und Ulrich Wegener

 

Auch wenn wir leider nur am ersten Abend dabei sein konnten,möchten wir sagen wie sehr es uns gefreut hat so viele neue,nette Leute kennen zu lernen. Ich fand es total angenehm,denn anfangs hatte ich bededenken die "Neue" zu sein,die als Einzige niemand kennt.(so ein Quatsch sag ich mir im Nachhinein) In der kurzen Zeit, die wir leider nur hatten, habe ich so viel für uns Interessantes erfahren. Ich fand es einfach toll und wir sind fest entschlossen im nächsten Jahr vollzählig am Start zu sein.

Liebe Grüße an alle,Daniela mit Oskar
 

Das Wochenende war wirklich sehr schön (bis auf wenige Ausnahmen :-) ), mit vielen guten Gesprächen und vor allem so vielen netten neuen Familien.
Auf diesem Wege möchte ich mich bei Euch allen bedanken, die Ihr auch dazu beigetragen habt, daß unser Elternwochenende in Gernrode so gut gelungen ist.
Seid alle herzlich gegrüßt

Anja

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