Mitgliedertreffen 2005 in Remscheid
– gefördert von Aktion Mensch
Das diesjährige
Mitgliedertreffen fand in der Akademie Remscheid statt. Es stand unter
dem Motto "Trommelworkshop für behinderte und nichtbehinderte
Menschen“ und wurde von "Aktion Mensch“ gefördert. Aufgrund der finanziellen
Unterstützung war es dem Verein möglich als Referentin Frau Jutta Bootz
zu engagieren, die als Ergänzung des Trommelkurses für die Kinder auch
noch die Eltern und einige der Jugendlichen in die Kunst des Stockkampfes
einführte.
Beim Trommelworkshop wurden die Kinder in drei verschieden Gruppen eingeteilt.
Dabei wurde zunächst die Altersstruktur aber auch die Schwere der Behinderung
beachtet. Bei der zeitlichen Struktur wurde wiederum die Leistungsfähigkeit
berücksichtigt. Die Kinder, die nicht gerade trommelten, wurden in dieser
Zeit betreut. Der Trommelworkshop wurde von allen beteiligten Kindern und
Eltern als gelungene Maßnahme gewertet, um zum einen den Kindern ein neues
Verständnis von Trommeln und Percussionsinstrumente zu geben.
Gleichzeitig wurde das Erlebnis dadurch verstärkt, dass gerade in diesem
Bereich keine Barrieren zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen
bestehen. Waren die Kinder zunächst unsicher und wussten nicht genau, was
von ihnen erwartet wurde, konnte man am Schluss erkennen, dass jeder seine
eigene Ausdrucksweise gefunden hatte und gleichzeitig ein harmonisches
Zusammenspiel stattfand. Gleichzeitig erstaunten gerade die blinden/sehbehinderten
Kinder, mit welcher Leichtigkeit sie sich an diese Art von Musik heranführen
ließen und machten dadurch auch die Erfahrung, nicht benachteiligt zu sein,
sondern ebenbürtiger Partner.
Der Fachvortrag über das Thema: "Ein Kind mit Behinderung- nur Belastung oder auch Chancen und Möglichkeiten für die Familie?“ wurde von Frau Gudrun Badde, eine der Mitbegründerinnen der Vereinigung "BEWEGUNG IM DIALOG“ gehalten. Um das Gehörte auf die eigene Situation zu übertragen, wurden Kleingruppen gebildet, die zu drei verschiedenen Schwerpunkten (Was Eltern stark macht, was Väter stark macht und was Geschwisterkinder stark macht) ihre Erfahrungen austauschen sollten. Dann traf man sich wieder und es wurden dann anhand eines Beispieles der gesamten Gruppe die herausgearbeiteten Punkte vorgestellt.
Eine Nachlese zum Treffen
Der Auftakt
Fand, wie’s beim BEBSK nun schon gute Tradition ist, Donnerstags
statt, nämlich am Nachmittag des diesjährigen Fron-leichnamstags. Schnell
fanden -ebenfalls traditionsgemäß - alte Bekannte wieder zusammen. Andererseits
gab es diesmal etliche neue Mitglieder zu begrüßen, welche erstmalig an
einem Elternwochenende teilnahmen.
Das Haus
Die "Akademie Remscheid“, sehr naturnah am Rand der Stadt gelegen,
bot uns während unseres viertägigen Treffens einen - alles in allem - angenehmen
Rahmen. Bei wahrhaft hochsommerlichen Temperaturen und Dauersonnenschein
gratis erfreuten allerdings nicht nur wir uns unseres Lebens. Unsere Ankunft
in der Akademie hatte offenbar für ein bemerkenswert großes Feedback innerhalb
der örtlichen Stechmückenfraktion gesorgt. Jedenfalls waren während der
nächsten Tage nahezu alle Teilnehmer mehr oder weniger heftigen Attacken
dieser "possierlichen“ Tierchen ausgesetzt.
Das leibliche Wohl
Bewegte sich auf eher zweckmäßigem - geschmacklich wie ernährungs-physiologisch
-aber keinesfalls auf längerfristig annehmbarem Niveau. OK, vier Tage sollten’s
sein und vier Tage lang ging’s auch.
Der Fachvortrag
Stand in diesem Jahr unter dem Motto "Ein Kind mit Behinderung - nur
Belastung oder auch Chancen und Möglichkeiten für die Familie?“ - und wurde
uns von Frau Gudrun Badde, selbst Mutter eines heute 26jährigen Blinden
und Gründungsmitglied der Vereinigung "Bewegung im Dialog“, in wirklich
beeindruckender Eindringlichkeit vermittelt. Ich persönlich hätte mir für
die Diskussion dieser Thematik mehr verfügbare Zeit wie auch die Möglichkeit
gewünscht, einzelne, im täglichen gegenseitigen Umgang besonders relevante
Aspekte und Fragestellungen durch Rollenspiele zu vertiefen.
Programmangebot "Stockkampfkunst“
Frau Jutta Booz, welche wir als Referentin in der Ausübung dieser aus Fernost
stammenden Reaktions- und vertrauensfördernden Technik gewinnen konnten,
hatte den Kurs zunächst eigentlich nur für Eltern bzw. für definitiv
sehende Teilnehmer konzipiert. Um so überraschter waren letztlich alle
Beteiligten, dass sich noch während der ersten Unterrichtseinheit am
Donnerstag Abend auch einige unserer sehbehinderten Jugendlichen im hierfür
präparierten Seminarraum einfanden und bis zur letzten Minute begeistert
teilnahmen. Dabei machten alle die Erfahrung, dass mit ein bisschen Übung
und Vertrauen, man sich wirklich "blind“ aufeinander einlassen kann.
Programmangebot "Trommelkurs“
Manchmal irgendwie kaum zu glauben, dass sich eines der ältesten Instrumente
der Menschheit im heutigen Techno-Zeitalter noch immer einer solch großen
Beliebtheit erfreut. Und doch - auch wir konnten’s während des diesjährigen
Elternwochenendes haut- bzw. ohrnah erleben.
Zwischenmenschliches
Stand auch in diesem Jahr in Form von etlichen Kleingruppengesprächen
am Abend sowie zwischen den zeitlich und inhaltlich definierten Programmpunkten
wieder hoch im Kurs. Einmal jährlich treffen? Vielleicht doch zu wenig?
Manchmal konnte man schon den Eindruck gewinnen.
Perspektivisches
Der BEBSK verzeichnet derzeit eine zunehmende Zahl von Mitgliedsfamilien
mit mehrfachbehinderten Kindern. Er wird sich - auch im Rahmen der Gestaltung
zukünftiger Elternwochenenden - dieser Herausforderung zu stellen haben.
Zum
Schluß
Trafen sich alle anwesenden Mitgliedsfamilien zur gemeinsamen Abschlussrunde,
einer von den jeweiligen Teilnehmern und unter Leitung von Frau Bootz gestalteten
Stockkampfkunstvorführung sowie einer Trommeldarbietung. Alle waren sich
einig: Es war ein gelungenes Elternwochenende! Na dann Auf Wiedersehen
2006 in Gernrode im Harz.
Frankfurt, 01.09.2004 Martin Kirchner